von Markus Jäger

Klappentext:
Im Juni 1936 lernt der 17jährige Felix auf dem Wiener Heldenplatz den nur wenige Jahre älteren Kilian kennen. Aus der Liebe auf den ersten Blick wird eine Beziehung fürs Leben gegen alle Widrigkeiten, die ihnen die scheiternde erste österreichische Republik, Nationalsozialismus und das neue Österreich nach 1945 entgegen setzen . Ihre junge Liebe vermag der Ständestaat mit dem erstarkenden Nationalsozialismus ebenso wenig zu zerstören wie die reaktionären Mitläuferfamilien, aus denen die beiden schwulen Männer stammen. Ihr Leben zu zweit ist nicht nur eine große Beziehungsgeschichte, in der sich die beiden Jungs zu ihren erwachsenen Persönlichkeiten entwickeln; es ist genauso eine packende Chronik der mühsam erkämpften Fortschritte, die Felix und Kilian mehr und mehr ermöglichen, ein freies und offenes schwules Leben zu führen. Der Innsbrucker Autor Markus Jäger erzählt so nicht nur von zwei Männer und ihrem Kampf um Freiheit, sondern zugleich eine schwule Gesellschaftsgeschichte Österreichs.

Bild: © Buchsüchtig
Coverbild: © Quer Verlag

Meine Meinung:
Markus Jägers Sprache habe ich geliebt, obwohl ich am Anfang etwas planlos in der Geschichte herumgestolpert bin. Glücklicherweise änderte sich das nach wenigen Seiten und ich konnte das Buch genießen.

›Da diese bizarren Veränderungen in seiner Bankfiliale aber mit seinen sich intensivierenden Frustrationen kollidierten, kam ihm das Angebot gerade recht.‹ Das ist nur ein Satz, den ich sehr schön formuliert finde. Auch empfand ich es als sehr geschickt gelöst, wie Markus Jäger den Leser immer wieder wissen ließ in welchem Jahr sich die Geschichte gerade befindet, ohne mit einem imaginären Kalender herumzuwedeln. Zum Beispiel lässt er Felix an einer Stelle denken: ›Nun schießen wir also zurück.‹ Somit wusste ich, dass es gerade 1939 ist und dass Felix und Kilian mittlerweile drei Jahre zusammen sind. Auf diese Art informiert zu werden, in welchem Jahr sich die Geschichte gerade befindet, ist für mich angenehmer, als wenn eine Jahreszahl bei jedem neuen Kapitel als Überschrift dient.

Bei beiden Protagonisten habe ich ihren Mut sehr bewundert. In einer Zeit, in der es sie das Leben kosten konnte, haben sie ihren Teil vom Glück verteidigt. Aber wie verletzend und frustrierend muss es sein, nicht immer ganz man selbst sein zu können, sich verstecken zu müssen, da man sonst Gefahr läuft nicht nur mit dem eigenen Leben, sondern auch mit dem Leben des geliebten Menschen dafür zu bezahlen? Über jede eigentlich unbedachte Geste doch nachdenken zu müssen? Ich will mir nicht vorstellen, was das für mich bedeutet hätte, oder auch heute noch bedeuten würde.

An einer Stelle des Buches heißt es, dass sich Felix in einem Raum mit Büchern sicherer fühlt, als in einem Raum ohne. Das konnte ich sehr gut nachvollziehen und es machte Felix nur noch sympathischer für mich. Irgendjemand hat mal gesagt, dass ein Haus ohne Bücher kein Heim ist, und ich stimme sowohl dieser, wie auch Felix‘ Aussage uneingeschränkt zu.

Durch ihr Wesen sind mir Felix und Kilian im Lauf des Buches sehr ans Herz gewachsen, da ich ihre Entwicklung sehr gut nachvollziehen konnte. Waren sie mir auch anfänglich noch etwas fremd, so änderte sich das doch sehr bald und ich habe mich ihnen mit jeder weiteren Seite etwas verbundener gefühlt. Sie am Ende des Buches gehen zu lassen fiel mir nicht leicht. Manchmal gibt es Bücher, bei denen ich mit den Protagonisten regelrecht verwachse. Bei ›Helden für immer‹ erging es mir so mit Felix und Kilian.

Erscheinungsdatum: 01. September 2018 im Quer Verlag
Seitenzahl Taschenbuch: 580 Seiten