von Nina Kay

Klappentext:
Der Verkehr auf New Yorks Straßen, überfüllte Supermärkte, Menschen, die in Rätseln sprechen und Dinge tun, obwohl sie etwas ganz anderes wollen. All das überfordert Maëls Verstand, und ohne die schalldichten Kopfhörer und seine Kamera würde er seine sichere Wohnung gar nicht erst verlassen. In einer sich täglich verändernden, viel zu schnellen Welt zeigt sie ihm Dinge, die sonst niemand sieht, wie die Stille hinter all dem Lärm oder die Schönheit im Kaputten. Wie Luca, der sich nicht fotografieren lassen will, jede Berührung fürchtet und mit den Händen spricht, wenn ihm die Worte fehlen. Nie war Maël jemand näher und gleichzeitig so fremd, denn Luca ist nicht nur klug und aufmerksam, sondern auch unberechenbar. Voller Traurigkeit und Zweifel, getrieben von scheinbar irrationaler Angst und damit nichts, was Maël begreifen kann. Niemand, in den er sich verlieben sollte. Und doch alles, was er bei sich halten möchte, um dort draußen nicht länger allein überleben zu müssen.

Bild: © Buchsüchtig
Buchcover: © Nina Kay

Meine Meinung:
Oh, wie gut ich Maël verstehen konnte! Körperliche Distanz ist ein Segen bei fremden Menschen. Klar, dass er Panik bekommt, wenn sie nicht eingehalten wird. Sein erstes Zusammentreffen mit Luca war ungewöhnlich und zeigte meiner Meinung nach sehr viel von den beiden. Vor allem von Maël. Seine Bitte an Luca die Scherben betreffend, und seine Erklärung dazu, waren wunderschön.

Nina Kay hat beiden Protagonisten schon auf den ersten Seiten Charakter und ein Gesicht gegeben und ich habe mich ihnen sofort nah gefühlt. Vor allem Maël war es, den ich absolut verstehen konnte. Auch hat sie wundervolle Worte gefunden, um all die Gefühle von denen dieses Buch nahezu überläuft, auszudrücken und greifbar zu machen. So entwickelte sich schon auf den ersten Seite eine unglaubliche Sogwirkung, die mich gefangen nahm und nicht wieder los ließ.

Lucas Eigenheiten waren weder reißerisch noch verurteilend dargestellt, sondern vielmehr erklärend und nahezu nüchtern. Ich habe das sehr geliebt. Genauso wie bei Maël, da dieser sehr strukturiert handelt, was absolut zu ihm passt. Auch seine Gedanken Luca betreffend waren wunderschön. Nina hat sie in zauberhafte, poetische Worte gehüllt, die mich gemeinsam mit Maël dazu brachten, ein Wiedersehen mit Luca kaum noch erwarten zu können. Die beiden zusammen zu erleben war traumhaft. Sie sind beide auf ihre Art völlig überfordert, aber schaffen es trotzdem sich soweit zu vertrauen, dass sie Zeit miteinander verbringen können und den jeweils anderen in ihr Leben lassen. Auch wenn es Tricks und Vorbereitungen benötigt um Sicherheit zu schaffen, meistern sie diese ungewöhnlichen Situationen sehr gut. Bis die Geister der Vergangenheit zuschlagen und alles ins Chaos stürzen.

Nina hat eine sehr besondere Art ihre Geschichten zu erzählen. Sie kommt niemals mit dem Holzhammer um die Ecke und erschlägt einen mit Fakten oder unnötigen Plattidüden, vielmehr lässt sie einem sanft und kompromisslos keine andere Wahl, als sich hoffnungslos in die von ihr erschaffenen Charaktere zu verlieben und mit ihnen zu leiden und zu hoffen. Sie ist eine der wenigen Schreibenden deren Bücher ich lese ohne großartig auf den Klappentext zu achten, da ich einfach weiß, was ich bekomme. Ich habe mich mit dem Buch, Maël und Luca unglaublich wohl gefühlt und wollte es nicht mehr aus der Hand legen. Von mir aus hätte es auch doppelt so viele Seiten haben können und es wäre mir trotzdem zu kurz erschienen, da mir beide Charaktere so nah waren, wie es in nur ganz wenigen Büchern der Fall ist. Die Geschichte der beiden war so zart und liebevoll erzählt, dass ich mit jeden Wort gefühlt habe, wie sehr Nina die beiden lieben muss. Wenn mir beim Lesen dieser Gedanke kommt, und ich einfach „weiß“, dass der/die Schreibende so gefühlt hat, ist es wie ein kleines Wunder für mich. Danke Nina, für diesen Lesegenuss und dass du die Geschichte von Maël und Luca geschrieben hast. Du hast ein ganz wundervolles Buch geschaffen, das ich sehr liebe.

Erscheinungsdatum: 15. Oktober 2020
Seitenzahl Taschenbuch: 380