Hong Kong Stories – Rattenfänger

S.B Sasori

Klappentext:
Hongkong 2037
Nach einer Pandemie liegt die Weltwirtschaft am Boden. Wer es sich leisten kann, flüchtet in die chinesische Metropole in der Hoffnung auf ein Leben in Überfluss und Reichtum. Doch die Stadt birgt ihre Schattenseite – Kowloon. Menschenhandel, Prostitution und Drogen bestimmen das Dasein der Gesichtslosen. Im Begging Monk, einem Klub in dem verkommenen Bezirk, bieten Shivas das an, was sie besitzen – sich selbst. Joseph Wakane dirigiert das Geschehen im Grenzbereich von Menschlichkeit und Moral. Er kennt die Währung, mit der Träume erkauft und Existenzen zerstört werden. Liam O’Farrell war ein erfolgreicher Arzt, aber die Eintönigkeit seines Alltags erstickte ihn. Er kehrte der geordneten Sicherheit Hongkong Islands den Rücken und floh in das vor Dreck und Chaos überquellende Kowloon. Nun flickt er zusammen, was die Nächte im Monk von den Shivas übrig lassen. Als er Joseph zu einer Auktion im Hafen begleitet, erfährt er zum ersten Mal hautnah, wie aus Menschen Ware wird. Er ist entsetzt. Bis ihn ein junger Mann anfleht, ihn zu kaufen. Rattenfänger ist der erste Band der Serie Hongkong Storys.

Bild: © Buchsüchtig
Cover: © S. B. Sasori

Meine Meinung:
Ich liebe Dystopien, da ich davon ausgehe, dass die Zukunft düster ist und es nicht „besser“ wird. Hier ist es genau so, wie ich es erwarte. Die Menschheit ist verkommen, dreckig, ich – bezogen, korrupt…
Eigentlich nicht viel anders als jetzt, aber doch irgendwie schlimmer. Ein Menschenleben bedeutet nichts, und jeder ist nur auf seinen Vorteil bedacht, auf seinen Profit, die Erfüllung seiner Wünsche und Begehrlichkeiten.

Als Dean zwischen die Mühlen Kowloons gerät, gibt es für ihn keine Chance zu entkommen. Dieser Teil Hongkongs verschlingt die Menschen und spuckt nur ihre Leichenteile wieder aus. Selbst Joseph gibt sich da keinen Illusionen hin und versucht auch nicht sich irgendetwas an der Situation schön zu reden. Es ist und bleibt ein Rattennest. Fressen oder gefressen werden. Etwas anderes funktioniert hier nicht. Die Story hat mich sofort gefesselt. Nicht nur, weil es eine Dystopie ist, sondern vor allem wegen Liam und Joseph. Wegen ihrer ungewöhnlichen Beziehung zueinander, der Dynamik und Spannung zwischen ihnen, die in jedem Wort, vor allem aber in jeder Geste, deutlicher wurde.

Der Schreibstil von S. B. Sasori tat sein übriges. Teilweise kurze, abgehackte Sätze, die auf eine nahezu hypnotische Weise den ganzen Dreck, die Verzweiflung und menschverachtende Praktik von Kowloon eingefangen haben, und dazwischen immer wieder Menschlichkeit, Gefühle, Silberstreifen am Horizont auf einer Fahrt ins Verderben. Goth, was habe ich das geliebt.

Die Geschichte fesselte mich aus verschiedenen Gründen. Hier ging es nicht, wie so oft in Büchern, vorrangig um die Beziehung zweier Menschen und ihre Probleme mit derselbigen. Hier ging es, meiner Meinung nach, um menschliche Abgründe, Seelen die verletzt sind, Vertrauen das nicht tief genug geht, Illusionen die zerstört wurden und Missachtung dem Leben allgemein gegenüber. Solche Themen nehmen mich immer gefangen, lassen mich nicht los, beschäftigen mich tagelang und lassen mich an der Menschheit zweifeln.

Wer eine aufwühlende, rotzige, teilweise brutale und ungeschönte Story sucht, die trotzdem ihre wundervollen, leuchtenden Momente hat, ist hier genau richtig. Ich liebe das Buch sehr und werde es so schnell nicht vergessen können.