Hong Kong Stories – Schmerzmeister

von S. B. Sasori

Klappentext:
Hongkong 2039
Während Kowloon nach wie vor unter den Repressalien der Regierung leidet, lastet die Verantwortung für das Begging Monk auf Deans Schultern. Trotz schwelender Konflikte und der angespannten wirtschaftlichen Situation, setzt er alles daran, den Status des Clubs zu erhalten. Gleichzeitig kämpft er gegen die Trauer, die Liam und ihn Tag für Tag niederdrückt.
Nach neun Monaten intensiver Suche hat Liam die Hoffnung aufgegeben, Joseph jemals wiederzusehen. Er flüchtet sich in den Gedanken, dass sein Geliebter tot und damit vor Schmerz und Leid sicher ist. Nur sein Pflichtgefühl Dean und den Shivas gegenüber zwingt ihn weiterzumachen.
Ein Umschlag mit einer sehr speziellen Einladung reißt ihn aus seiner Verzweiflung.
Um ihn kurz darauf noch tiefer hineinzustoßen.

Bild: © Buchsüchtig
Cover: © S. B. Sasori

Meine Meinung:
Oh mein Goth!!! Gleich zu Anfang des Buches war es, als wenn ich die vorherigen Bücher gerade erst geschlossen hätte. Ich war sofort wieder in Kowloon, seinen engen von Unrat verstopften Gassen, seiner Unmenschlichkeit und wieder erlag ich seinem Zauber. Immer gab es einen winzigen Lichtblick, einen Hoffnungsschimmer und etwas Gutes zwischen all dem Elend, den menschlichen Abgründen und der Verzweiflung. Schon auf den ersten Seiten waren mir alle Charaktere sofort wieder vertraut und augenblicklich hatte ich wieder dieses dringende Bedürfnis sie zu beschützen. Unfassbare Dinge sind zwischen dem letzten Buch und diesem passiert. Dinge, die ich schon im letzten Band gefürchtet habe und die danach, wie auch in diesem Buch, grausame Realität wurden und den vierten Band somit wunderbar hoffnungslos, dreckig und brutal machten. Genauso wie die vorangegangenen Bände der Reihe, schickte es mich durch die Hölle. Und ich habe es geliebt. Habe die Hoffnung und die Hoffnungslosigkeit geliebt. Genauso, wie ich Liam und Dean geliebt habe. Sie brauchen einander so verzweifelt, das es beinahe körperlich schmerzte sie auf ihrem Weg zu begleiten. Auch wenn sich ein wenig Hoffnung durch das Buch zog, so trat diese doch nur sehr zögerlich und unendlich schmerzfordernd zutage. Unmenschliches wird hier verlangt und teilweise auch bewältigt. Und es zeigte sich, dass die Liebe die stärkste Kraft von allen ist. Manchmal muss man brutal sein, um geliebten Menschen zu helfen auch wenn man dafür verflucht wird.
Liam ist über sich hinausgewachsen. Er ist so aufopfernd, wundervoll und stark, dass ich ihn mit jeder Seite mehr geliebt habe. Sein Verhältnis zu Dean ist tiefer und inniger geworden und keiner von beiden schien noch ohne den anderen existieren zu können.

Wie sollte das auch funktionieren nach den Ereignissen des letzten Buches, die ihnen regelrecht den Boden unter den Füßen weg zogen und die sich erst in diesem Band erklärten und einen Rattenschwanz an Veränderungen mit sich brachten? Ich habe bis zur letzten Seite gehofft und gebangt. Und ich muss einfach wissen, wie es mit den Hong Kong Storys weitergeht. Dieses Buch zu beenden war beinahe so schlimm, wie den vorangegangen Band zu schließen, wenn auch aus völlig anderen Gründen. Ich fühle mich auf eine schräge Art unendlich wohl in Kowloon und im Begging Monk, obwohl es keine Orte sind, an denen man sich unbedingt wohlfühlen kann. Allerdings hat S. B. Sasori es geschafft, diese Orte mit interessanten, liebevollen und einzigartigen Charakteren zu bevölkern, bei denen ich manche hasse bis auf’s Blut und andere liebe. Vor allem Joseph hat es mir seit dem ersten Buch angetan. Ich liebe seine Stärke, auch wenn er sie manchmal verloren glaubt, seine Leidenschaft und seine fürsorgliche Art allen Menschen gegenüber, die auf ihn angewiesen sind. Ich kann die gesamte Reihe ausnahmslos empfehlen. Wenn man allerdings eine lockerflockige Story erwartet, ist man hier falsch. Hier findet man Brutalität, Liebe, Dreck, Wunder und eine wundervolle Sprache in der S. B. Sasori ihrer Geschichte Ausdruck verliehen hat. Ich freue mich wahnsinnig auf die kommenden Bücher und will nicht, dass diese Reihe jemals endet. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.

Erscheinungsdatum: 10. Februar 2021
Seitenzahl Taschenbuch: 446