Spider Raven´s Heart

von Justin C. Skylark

Klappentext:
Spider Ravens Tage als erfolgreicher Musiker sind gezählt. Dennoch versucht der in die Jahre gekommene Sänger ein Comeback.

Ein Herzinfarkt zwingt ihn in die Knie, ändert allerdings nichts an seiner selbstzerstörerischen Lebensweise und seinem Wunsch, wieder auf der Bühne zu stehen.

Erst, als Ravens Herz buchstäblich stehenbleibt, geschehen plötzlich wundersame Dinge …

Bild: © Buchsüchtig
Cover: © Justin C. Skylark


Meine Meinung:
Raven war mir sofort unsympathisch, denn allein wie er mit seinem Hund umsprang, ließ mich vermuten, dass er ich-bezogen ist. Auch dass er aus seinem Krankenhausaufenthalt scheinbar keine Lehren zog, sondern weitermachte wie bisher, verstärkte diesen Eindruck noch. Dass Jesse nicht sofort das Weite suchte, sondern scheinbar immer noch an Raven zu glauben schien, irritierte mich etwas. Zumal dieser auch ihm gegenüber ein schreckliches Verhalten an den Tag legte. Ich hätte gedacht, dass er alles einfach hinschmeißt und Raven seinem Schicksal überlässt. Aber das hätte vermutlich nicht zu Jessie gepasst. Er ist aufrichtig, mutig und ein Kämpfer, der nicht einfach so aufgibt. Das mochte ich sofort an ihm, was sich auch im Laufe des Buches nicht änderte. Er schien tatsächlich einfach nur helfen zu wollen.

Allerdings wurde ihm das von Raven erschwert, da er diesem jede noch so kleine Information zu ihm, seinem Werdegang und seiner aktuellen Situation aus der Nase ziehen musste. Was aber für mich spannend war, denn so konnte ich gemeinsam mit Jesse kleine Puzzleteile zusammensetzen und mir so ganz langsam ein Bild von Raven machen… Leider war es für Jesse unendlich mühsam die Informationen zusammenzutragen und es tat mir sehr leid, wie er um jeden kleinen Funken Wahrheit kämpfte, da Raven absolut nicht bereit war sich helfen zu lassen. Vielmehr blieb er abweisend und verschlossen, was meine Neugier allerdings noch schürte, denn ungewöhnliche Dinge geschahen, zu denen Raven nicht viel mehr als ein paar kryptische Kommentare von sich gab, wobei ich mir dachte, dass er sie sofort hätte aufklären können. All das war für mich außerordentlich spannend zu lesen und ich wollte so schnell wie möglich wissen, was es mit Ravens eigenwilligem Verhalten auf sich hat. Vermutlich war diese Frage für mich noch drängender als für Jesse und so flog ich nur durch die Seiten.

Die Ungewissheit die durch diese nebulöse Situation bei mir aufkeimte habe ich geliebt, da sie nach einem Viertel des Buches wie ein Damoklesschwert über der gesamten Geschichte schwebte. Was ist real, was Fantasie, was Einbildung und was zur Hölle passiert hier gerade? Jesse wurde zum Spielball und ich war mir absolut unsicher, wer die Fäden zog. Raven konnte es nicht sein, oder doch? Er schien mir dafür zu schwach, als wenn auch er nicht Herr der Situation, sondern auch nur eine Spielfigur, war. Irgendeine fremde Macht schien hier ihre Finger im Spiel zu haben und sowohl Jesse wie auch Raven zu benutzen. Und als es dann fast ein wenig romantisch wurde, verschlimmerte sich die Situation auch noch und Jesse und Raven schlitterten unaufhaltsam einem tragischen Ende entgegen…

Zwischen ihnen war alles mehr als schwierig und von negativen Gefühlen geprägt, wodurch sich ihnen immer wieder Steine in den Weg legten und sie keine Chance hatten, irgendwie dieser verdrehten Situation zu entkommen. Bis dann endlich das Rätsel gelöst wurde und ich aufatmen konnte. Allerdings nur deshalb, weil jetzt endlich alles Sinn ergab und verschiedenste Dinge in einem völlig anderen Licht erschienen. Damit hätte ich nun wirklich nicht gerechnet. Und ich bin begeistert, wie Justin es schaffte, bis zu diesem Punkt die Spannung zu halten. Zumal auch hier wieder die Situation kippte und sich alles um hundertachtzig Grad drehte, während doch es doch auf eine groteske Art gleich blieb. Ich habe das geliebt. Opfer wurden zu Rettern, Helfer zu Opfern und nebenbei bekam das Böse mehr zu tun, als es ohnehin schon tat. Ich wusste nicht, wie Spider und Jesse reagieren würden, ob sie einen Weg hinaus finden oder sich immer mehr in dem Unheil verstricken, aus dem es keinen Ausweg gibt.

Das Buch habe ich in einem Atemzug durchgelesen, denn es war einfach zu spannend um es aus der Hand zu legen. Und vor allem waren mir Jesse und Raven zu sehr ans Herz gewachsen, als das ich sie hätte allein lassen können. Ich musste einfach wissen, wie sich alles erklärt, auflöst und vor allem wie es endet. Mir gefiel vor allem, dass es keine langweilig-normale Liebesgeschichte ist. Sie hat ihre eigene Dynamik und die Spannungen zwischen Jesse und Raven waren unterhaltsam zu lesen. Sie schenken sich nichts und sind trotzdem aufeinander angewiesen. Mich hat das Buch sehr gut unterhalten und es hätte gerne noch ein paar hundert Seiten mehr haben können. Von mir also eine Leseempfehlung für dieses ungewöhnliche Buch, in dem nicht unbedingt alles so ist, wie es auf den ersten Blick scheint.

Erscheinungsdatum: 20. August 2021
Seitenzahl Taschenbuch: 340