Der Sündenfresser – Shikhu

von Loki Feilon

Klappentext:
Skelesh – Die neue Welt. Geboren aus der Asche des großen Krieges, erbaut auf den Trümmern ausgelöschter Zivilisationen. Als Auftragsmörder hat Kain seine Berufung gefunden, doch der Preis dafür ist Einsamkeit –bis er eines Tages auf einen seltsamen Bibliothekar trifft. Kains Leben stürzt unwiederbringlich ins Chaos. Alte, blutige Erinnerungen treiben ihn immer tiefer in den Wahnsinn und fördern eine längst vergessene Prophezeiung zu Tage, die den Untergang der neuen Welt bedeuten könnte. Kain beschließt, endlich nach dem Grund seiner rätselhaften Existenz zu suchen, doch ein mysteriöser Kult, Verrat und blutleere Leichen verwandeln seine Reise in ein tödliches Unterfangen.

Bild: © Buchsüchtig
Cover: © Creativ Work Design, Homburg

Meine Meinung:
Kain und Mercutio passen ungefähr so gut zusammen wie Essig und Öl. Man kann sie auch mit Gewalt nicht dazu bringen eins zu werden. Sie sind sehr gegensätzlich und wo Mercutio einfach nicht die Klappe halten kann, schweigt Kain sich aus. Normalerweise hätten sie vermutlich kein Wort miteinander gewechselt, aber da Kain Mercutios Leben rettete fühlt sich dieser ihm gegenüber zu Dank verpflichtet. Eine absurde Situation, in der Mörder Menschen das Leben retten. Aber gerade dadurch, fand ich es cool.

Kains große Klappe habe ich geliebt. Er redet nicht viel, was jedes Wort von ihm umso kostbarer werden lässt, denn wenn er sich dann doch äußert, triefen seine Worte vor Sarkasmus und herrlich schwarzem Humor. Und nicht nur dadurch grenzt er sich von seinen Mitmenschen ab, auch seine äußere Erscheinung ist einzigartig und spannend. Sie erzählt eine Geschichte, die sehr langsam Gestalt annahm und nach einem Bericht, der in der Geschichte erwähnt wird, hatte ich einen Verdacht, was an Kain so besonders und geheimnisvoll ist. Auf mich wirkte Mercutio genauso fasziniert, allerdings schien er in erster Linie neugierig zu sein. Gerade in Situationen, in denen andere vielleicht eher ängstlich gewesen wären, siegte bei ihm die Neugier. Auf mich wirkten Kain und Mercutio sehr gegensätzlich und ich mochte die dadurch entstandene Spannung zwischen den beiden, denn sie war ungewöhnlich und zeugte mehr von Neugierde und Mut, als von Angst und Vorsicht.

Mit Cisco erschien eine weitere Figur, die ich sehr geliebt habe. Auch er war geheimnisvoll und seine Beziehung zu Kain war spannungsgeladen und turbolent. Sie tauchen mit jeder Seite tiefer in die Geheimnisse ein, die sich bis dahin im Verborgenen hielten und gemeinsam mit ihnen durfte ich die ganze Geschichte, die Vergangenheit und Gegenwart wie ein Puzzle zusammensetzen und auseinanderdröseln. Es gab keinen Zeitpunkt, zu dem ich Kain nicht geliebt habe. Seine große Klappe, sein draufgängerisches Auftreten und seine ganze Art verbergen eine zutiefst verletztliche und zarte Seele. Und dabei ist er ein Kämpfer, wie man ihn nur selten erlebt. Leidenschaftlich und stur. Er gibt niemals auf. Selbst dann nicht, wenn die Situation für ihn völlig ausweglos erscheint, nutzt er doch die winzigsten Chancen die sich ihm bieten und verfolgt seine Ziele bedinungslos. Für ihn gibt es scheinbar keine unlösbaren Probleme, sondern nur Herausforderungen. Dabei steht er dem Tod näher als dem Leben und hat niemanden an seiner Seite, der ihm helfen könnte oder mit ihm kämpft. Er ist umgeben von Feinden die ihm unmisverständlich klarmachen, dass am Ende seiner Odyssee nur der Tod auf ihn wartet und dieser ihn weder schnell noch schmerzfrei ereilen wird. Dass er sich bei solchen Aussichten an jeden Strohhalm und jede noch so kleine Chance klammert, sein Leben zu retten, war für mich absolut nachvollziehbar und ich habe es bedauert, dass er seinen Mut und seine Stärke so bitter bezahlen musste.

Spannend war es dann, als Kain mit seinen verloren geglaubten Erinnerungen konfrontiert wurde. Wie das geschah war grausam aber das es geschah war sowohl für ihn, wie auch für den weiteren Verlauf der Geschichte unendlich wichtig und trotz der Tatsache, dass ich mit jedem neuen Angriff auf Kain mit ihm gelitten habe, wurde ich doch nur neugieriger je mehr ich über seine Vergangenheit erfahren habe. Mit jedem noch so kleinen Stückchen seiner Vergangenheit bekam Kain mehr Struktur und blieb trotzdem geheimnisvoll und interessant.

Denn ganz langsam erklärte sich Kains Wesen, denn all die Gründe für sein Verhalten schienen in der Vergangenheit zu liegen. Einer Vergangenheit, die geprägt war von Gewalt und in der er ein anderer war und zudem einen anderen Namen trug. Er antwortete auf die ihm angetane Gewalt auf die einzige Art, die ihm möglich war und schlug mit allem zurück, was er hatte. Mit entsetzlichen Folgen sowohl für ihn, wie auch für die Personen um ihn herum. Und trotzdem konnte ich ihn nicht verurteilen, denn der Fehler lag nicht bei ihm. Vielmehr waren es seine Umgebung und die Umstände, die ihn zu dem machten, der er ist.

Ihre gemeinsamen Reise stellte sowohl Cisco wie auch Kain vor große Herausforderungen und nur ein kleiner Teil davon war sofort zu bewältigen. Die größten Probleme hatte Kain mit den Dingen, die er in sich trug und die ihn mit jeder Sekunde mehr belasteten. Mir tat er unendlich leid, denn er konnte sich weder Cisco anvertrauen, noch sich selbst helfen. Und auch wenn er etwas mehr über sich erfuhr, und ich mit ihm, so hat er doch noch nicht alle Antworten auf seine Fragen und befindet sich in einem unangenehmen Schwebezustand, der nur zur Verschlimmerung seiner Situation beiträgt und mich alle die an seinem Schicksal Schuld trugen hassen ließ. Zu einem späteren Zeitpunkt tauchte mit Killian eine Person auf, die ich sehr an Kains Seite geliebt habe. Überhaupt mochte ich ihn von Anfang an und hatte das Gefühl, dass er für Kain noch sehr wichtig werden würde und mit ihm sich entweder alles zum Guten wendet oder für Kain sämtliche Hoffnung verloren ist, denn es wird einfach zuviel von ihm verlangt und dass er seine Vergangenheit nur bruchstückhaft kennt, sie aber enormen Einfluss auf seine Gegenwart und Zukunft hat, macht dir Sache nicht einfacher. Trotzdem hatte ich bei ihm nicht den Eindruck ihn beschützen zu wollen, denn dafür ist er zu stark und vor allem zu stur. Ich war mit absolut sicher, dass er alle Hürden überwinden würde, auch wenn ich keinen blassen Schimmer hatte, wie das funktionieren sollte, da er an mehreren Fronten gleichzeitig kämpfen musste um zu überleben.

Ich denke, dass das Buch nicht für jede*n etwas ist, denn dafür ist es zu speziell, dafür ist Kain zu speziell und ob man ihn sympathisch findet ist doch eine sehr individuelle Entscheidung. Ich mochte ihn und ich fand ihn spannend. Zudem war die Geschichte mal etwas anderes und allein damit schon so cool, dass ich noch während des Lesens des ersten Bandes den zweiten bestellen musste, um zeitnah zu wissen, wie es weitergeht. Denn das interessiert mich brennend, da gerade zum Ende hin immer mehr Fragen auftauchten und auch einige Fragen geklärt wurden. Ausserdem hatte ich mich in Kains große Klappe und Ciscos einzigartiges Wesen verliebt. Und muss unbedingt wissen, wie es mit ihnen weitergeht.

Wer also Lust auf eine ungewöhnlich und wirklich sehr coole Geschichte hat, die weit ab von gängigen Klischees funktioniert, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt. Ich freue mich jedenfalls schon sehr auf die kommenden Bücher.

Erscheinungsdatum: 20. November 2019
Seitenzahl Taschenbuch: 404