Ayumi und die Prinzessin der Meere

von J. Walther (Hrsg.)

Klappentext:
Was, wenn Schneewittchen eine Jägerin trifft, die Kräuterhexe sich in eine böse Prinzessin verliebt, die Schwester der kleinen Meerjungfrau eine Menschenfrau rettet, die Prinzessin der Tochter des Kochs ihre Gunst schenkt? Wenn das Hexenkind einem Stern folgt, eine Katze die Stiefel spornt und der Weg zur Rettung von Dornröschen durch eine Grotte voller Feen führt? Dann handeln diese 18 Märchen von starken Frauen, die Frauen lieben.

– Die erste Sammlung dieser Art! Mit Märchen von: Eva Andersson, Serena C. Evans, Jobst Mahrenholz, Anja Lehradt, Mo Kast, Saskia Rönspies, Katharina Ushachov, Mercy Cunningham, Nikki Reva, Jan Jürgenson, DasTenna, Kuro Umi, Sarah Natusch, Annina Anderhalden, Nadine Engel, Bettina Barkhoven, Julia Kohlhaussen und J. Walther.

Buchcover: © DarkmoonArt unter Verwendung von Motiven von thefairypath/DeeDee, pixabay
Hintergrund: © covervault.com

Meine Meinung:
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›Der Drache mit den Sternenaugen‹
von Anja Lehradt

Manche Verbindungen scheinen vom Schicksal vorherbestimmt zu sein und werden trotzdem von einigen Menschen nicht gerne gesehen. Dabei geht es doch nur die etwas an, die etwas füreinander empfinden und niemanden sonst. Genauso ergeht es hier dem Drachen und einem Mädchen, die sich langsam annähern und doch gegen Vorurteile und Unwissenheit kämpfen müssen. Und nicht nur dagegen, sondern auch gegen die Angst der Menschen vor dem Unbekannten, welches sie in Ihrer Blindheit verurteilen und vernichten wollen, statt es zu verstehen und zu lernen. Ein gemeinsames Feindbild eint und in dieser Geschichte ist niemand bereit, mehr zu sehen als das, was offensichtlich ist.

Die erhoffte Rettung ließ lange auf sich warten und brachte Leid und Trauer mit sich. Und doch wurde weiterhin um die Liebe und gegen den Fluch selbstlos und mit allen Mitteln gekämpft. Ein hoffnungsloser Kampf, denn nirgends ließ sich die Antwort auf die Rettung finden. Nur noch mehr Fragen tauchten auf und Verzweiflung griff um sich. Ich habe mitgelitten und hoffte auf ein gutes Ende, aber es sah nicht so aus, als würde sich alles zum Guten wenden. Der Bruder des Mädchens entpuppt sich als hinterhältig, grausam, und raffgierig. Er zerstört, stiehlt und betrügt, nur um seine eigenen Ziele zu erreichen. Das Mädchen dagegen hat ein reines Herz, großen Mut und ist aufrichtig. Sie sind so gegensätzlich, wie es zwei Menschen nur sein können. Aber es gab auch Licht und Hoffnung in dieser Geschichte, die vor allem davon handelt aufrichtig zu sein und dem eigenen Herzen zu folgen. Ich mochte sie sehr gerne.
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›Die gestiefelte Katze‹
von Mercy Cunningham

Nicht immer ist auf den ersten Blick zu erkennen, wer sich hinter der Fassade versteckt. Manchmal nicht einmal auf den zweiten Blick. In dieser Geschichte ging es vor allem um List, Klugheit und darum, den Kopf nicht hängenzulassen, bevor nicht die eigenen Ziele erreicht wurden. Im Kampf um das eigene Glück wurde hier nicht aufgegeben, auch wenn sich der Weg als schwierig und lang erwies. Aber mit jedem kleinen Erfolg kam das Ziel näher und wurde durch Hartnäckigkeit schließlich auch erreicht. Ich hätte gerne mehr von dieser Geschichte gelesen, denn leider kam mir das Ende zu abrupt. Trotzdem mag ich sie sehr, da sie entspannt und schlau erzählt war.
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›Ayumi und die Prinzessin der Meere‹
von Eva Andersson

Die Geschwister in dieser Geschichte könnten nicht gegensätzlicher sein. Der Junge erscheint böse, selbstsüchtig und regelrecht grausam, wogegen seine Schwester arglos und freundlich wirkt. Leider bestätigte sich der erste Eindruck des Jungen und er tat etwas unendlich grausames, dass Leid über ihm nahestehende Menschen bringt. Und das nicht nur einmal. Es verhält sich absolut abscheulich seiner Schwester gegenüber und nur mit viel Glück kann diese seinen grausamen Plänen entkommen. Hätte er sie in die Tat umsetzen können, hätte seine Schwester ein entsetzliches Schicksal erlitten. Aber auch so hatte es Ayumi nicht unbedingt leicht, denn sie kann nicht mit ihrer Liebsten zusammensein, da sie im wahrsten Sinne des Wortes in unterschiedlichen Welten lebten, die für die jeweils andere nicht geschaffen waren. Doch alles ist vergänglich. So auch in dieser Geschichte, in der sich die Dinge ändern und nur weniges Bestand hat. Einzig die Liebe überlebt. Und trotz all der Grausamkeit die Ayumi erfahren musste, so hatte sie doch ein erfülltes und wunderbares Leben. Sie hätte etwas energischer sein dürfen, aber vermutlich sind Menschen mit einem guten Herzen einfach nicht so. Ich habe sie trotzdem sehr gemocht.
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›Sieh mit dem Herzen‹
von Nikki Reva

Mir taten die beiden Frauen dieser Geschichte unendlich leid, denn sie hatten die Trennung nicht verdient und ich habe die Grausamkeit die zu dieser führte, gehasst. Genauso wie die Ungerechtigkeit, die danach geschah und die mich fast die Hoffnung verlieren ließ. Aber man sieht tatsächlich nur mit dem Herzen gut und Hoffnung gibt es selbst dort, wo man sie nicht vermutet. Manchmal taucht sie auf, wenn alles verloren scheint und wendet damit alles zum Guten. Eine süße, kleine Geschichte, von der ich gerne mehr gelesen hätte, denn mir gefielen sowohl der Stil, wie auch die Story sehr gut.
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›Die königlichen Geschwister‹
von J. Walther

Eine liebevolle Geschichte, in der zwei Geschwister die Identität ihres Gastes nicht gleich herausfinden. Ich habe mich gefragt, warum das so wichtig wäre, denn auch ohne genaue Vorstellungen war der Recke ein angenehmer Mensch und sowohl die Königin wie auch der König haben seine Gegenwart genossen. Sie versuchten durch eine List zu erfahren, ob es sich bei ihrem Gast um eine Frau oder einen Mann handelt und das Ergebnis dieser List ist anders als erwartet. Ich habe den Recken in dieser Geschichte sehr gemocht. Er war stolz, ohne überheblich zu sein, mutig, aufrichtig und klug. In dieser Geschichte fallen die Menschen nicht gleich übereinander her, sondern sie lassen sich Zeit, lernen sich kennen und warten ab. Ich hätte gerne mehr gelesen und erfahren, was danach passierte. Aber auch so war es eine wundervolle Geschichte, die anders als erwartet endete.
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›Das Herz einer Löwin‹
von Jan Jürgenson

Apollina ist stark und unabhängig und wie so oft, missfällt es gewissen Menschen, wenn eine Frau nicht ihren Vorstellungen entspricht. Ich konnte das nicht verstehen, denn die Heldin dieser Geschichte ist eine ganz wunderbare Person, die niemandem schadet und im Gegensatz zu viele anderen Menschen nicht nur sich selbst im Sinn hat. Ich mochte sie, ihre Unabhängigkeit und Stärke wahnsinnig gerne und so konnte ich es auch sehr gut verstehen, dass sie sich auf den Weg machte um ihrer Vergangenheit zu begegnen, die einen großen Einfluss auf ihre Gegenwart hat und auch ihre Zukunft nicht unberührt lässt. Ihre Reise ist vor allem eine Reise zu sich selbst und in ihr Inneres, an deren Ende sie mehr findet, als sie gesucht hat und ich hätte gerne gewusst, was danach passierte. Mir hat die Geschichte mit ihrer Botschaft sehr gut gefallen.
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›Von der Nixe und dem Menschsein‹
von DasTenna

Bei diesem Märchen stand das Kunstmärchen „Die kleine Meerjungfrau“ von Hans Christian Andersen Pate. Auch hier will eine Nixe unbedingt an Land, ein Mensch werden und die Frau treffen, die ihr Begehren weckte. Hier zeigte sich wieder einmal, dass es viele Arten der Liebe gibt und dass nicht alle für jede*n gemacht sind. Manche Liebe erfüllt nicht und hin und wieder ist es nicht genug, was das Gegenüber geben kann. Sicher, die Liebe überwindet alle Hindernisse, aber sie führt nicht immer an das gewünschte Ziel. Eine ganz zauberhafte kleine Geschichte über die vielen Arten der Liebe, die ich sehr gerne gelesen habe.
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›O Hexenkind, mein Hexenkind‹
von Mo Kast

Ich habe mehrmals ansetzen müssen, um diese Geschichte zu lesen, denn die Worte die eingangs gewählt wurden, waren für mich kantig und holperig zusammengesetzt. Irgendwann tat mir das Hexenkind dieser Geschichte leid, da es gequält wird und leiden muss, aber dieses Mitleid wurde sehr schnell von meinem Unverständnis gegenüber den Handlungen und Gedanken des Hexenkindes abgelöst, da es sich zur Rache trieben ließ und nach seiner Tat Angst vor den Konsequenzen hatte. Das fand ich dumm, denn entweder steht man zu seinen Taten, oder man lässt es einfach und verletzt niemanden. Gleiches mit Gleichem zu vergelten ist in meinen Augen schwachsinnig. Genauso wie Rache, denn sie macht erfahrenes Unrecht weder ungeschehen, noch bringt sie längerfristig Befriedigung. Dieses kleinliche Verhalten war beim Lesen einer der Punkte, die ich extrem nervig fand. Genauso wie die Gedanken der Protagonistinnen, das ich leider auch nicht nachvollziehen konnte. Gerade das Hexenkind blieb mir in seiner sehr kindlichen Art ein nerviges Rätsel. Zudem war dann auch der Schreibstil absolut nicht mein Fall, da die häufig auftretenden sehr kurzen Sätze für mich die Geschichte regelrecht »zerstückelten« und mir dadurch die gesamte Handlung sehr abgehackt vorkam. Ich mochte die Geschichte absolut nicht.
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›Rosalie und Ayana‹
von Kuro Umi

Mir haben die beiden Frauen dieser Geschichte gefallen. Vor allem, dass sie um ihr Glück kämpften und sich nicht einfach in Ihr Schicksal ergaben. Was mir nicht gefallen hat, waren die Worte, mit denen die Geschichte erzählt wurde, denn diese waren für mich zu einfach, kindlich und langweilig. Sie bauten keine Spannung auf und blieben mir schlicht zu simpel, um mich zu fesseln. Leider war auch das Ende nicht nach meinem Geschmack. An dieser Geschichte hat mir die Idee gefallen. Die Umsetzung dagegen überhaupt nicht.
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›Das Geheimnis des kupfernen Löffels‹
von Jobst Mahrenholz

Schon nach den ersten Worten war ich verliebt. In die Geschichte, in die Worte des Autors, in Aylins unbegrenzte Liebe. Die junge Hexe hat ihr Herz endgültig verloren, leider an eine nicht sehr freundliche Person und einzig ihrer Schwester scheint das bewusst zu sein. Liebe macht bekanntlich blind und Aylin schien alles etwas verklärt zu sehen. Aber sie hatte Hilfe. Ein sprechender Spiegel stand ihr zur Seite und diesen habe ich wirklich geliebt. Er ist witzig, schlagfertig, bezaubernd, klug und wunderbar. Neben dem Spiegel gab es noch Nael, der ihr half und diesen mochte ich auch sofort. Er schien ein ganz besonderer und kluger Mensch zu sein.

Bekanntlich geht Liebe durch den Magen und auch hier war es so. Eine Brühe wirkt Wunder gegen einen Fluch und kehrt Bösartigkeit in Güte, Freundlichkeit und Liebe. Aber es werden auch Opfer gefordert und nichts scheint ohne Gegenleistung geschenkt zu werden. Dieses Opfer machte mich traurig und doch habe ich mich gleichzeitig über die Liebe gefreut, die erblühen durfte. Für mich war es eine ganz zauberhafte Geschichte, die ich sehr gerne gelesen habe und in der mehr zwischen den Zeilen steht, als man auf den ersten Blick erkennt. Sie ist eine meiner liebsten in diesem Buch.

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›Aquamarin‹
von Sarah Natusch

Dies ist nicht die Geschichte der kleinen Seejungfrau, sondern die ihrer Schwester und sie beginnt dort, wo das Kunstmärchen von Hans Christian Andersen endete. Die Seejungfrau dieser Geschichte ist voller Wut, Hass und Trauer aufgrund des Verlustes ihrer geliebten Schwester und mir tat sie unendlich leid. Zudem ist sie gezwungen etwas zu tun, dass ihr widerstrebt und womit sie hadert. Großer Druck lastet auf ihr und sie hat keine Chance diesem zu entkommen.
Und auch das menschliche Mädchen dieser Geschichte hat ein schweres Los, wird sie doch homophob angegriffen und gedemütigt. Diese beiden Mädchen treffen aufeinander und haben beide mit ihrem Los zu kämpfen. Und doch gibt es da etwas zwischen ihnen, dass sich langsam entwickelt und vorsichtig entspinnt.
Gemeinsam entdecken die Beiden, worauf es im Leben ankommt und was wirklich von Bedeutung ist. Mir hat das offene Ende der Geschichte sehr gut gefallen und ich habe es geliebt, dass nicht alles perfekt lief.
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›Der Geschmack nach Zuhause‹
von Annina Anderhalden

Mit Lisha lernte ich eine Frau kennen, die stark und unabhängig ist. Allerdings hatte ich den Eindruck, dass mit dieser Unabhängigkeit auch Einsamkeit einherging, denn sie wird von den Menschen in ihrer Umgebung gemieden. Genauso wie Saleita, die allein im Wald lebt und sich dort um sich selbst kümmert. Diese beiden ungewöhnlichen Frauen trafen aufeinander und ich hatte den Eindruck, dass ihre Begegnung Schicksal war, da sie beide von ihrem Aufeinandertreffen profitierten. So unterschiedlich sie auch sind, so wunderbar ergänzten sich ihre Eigenschaften. Aber das Schicksal meinte es nicht gut mit den beiden Frauen und stellte ihnen Hindernisse in den Weg, die ihnen ein Zusammensein unmöglich machten. Dabei könnte alles so einfach sein, wenn es für sie nicht irgendwelche vermeintlich wichtigen Aufgaben und Pflichten geben würde und sie selbstbestimmter ihren Herzen folgen könnten. Aber selbst wenn das so einfach ginge, ist da immer noch die Vergangenheit, die ihre Schatten bis in die Gegenwart wirft und Schmerz, Kummer und Leid mit sich bringt.
Manchmal ist nicht alles so, wie es scheint und es lohnt sich immer, einen Blick über den Tellerrand zu werfen. Und immer sind es Mut und Toleranz, die Dinge geschehen lassen, die unmöglich erscheinen. Ich habe diese Geschichte geliebt, da sie klug und liebevoll erzählt wurde und mir auch der Stil Anninas sehr gut gefallen hat. Ich hätte gerne mehr gelesen, aber auch so war das Märchen rund und gehört mit zu meinen liebsten in diesem Buch.
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›Das Lied der Sirene‹
von Nadine Engel

Eine süße kleine Geschichte über den alten Kampf zwischen Gut und Böse, in dessen Mitte zwei Frauen stehen. Ein wenig war es wie bei 1001 Nacht, denn auch hier spielten Geschichten eine zentrale Rolle und waren Mittel zum Zweck. Eine List wurde erdacht, um hoffentlich einen Fluch zu brechen und einer Liebe eine Chance zu geben, die ohne Mut und Glück gestorben wäre, bevor sie die Chance gehabt hätte sich zu entfalten. Manchmal dauert es nur etwas, bis man den richtigen Weg findet und häufig ist rohe Gewalt nicht die Lösung, sondern vielmehr Intelligenz. Ich mochte die Geschichte um die zwei Frauen, die es mit einem Fluch aufnehmen und sich trotz aller Widrigkeiten nicht von ihrem Ziel abbringen lassen.
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›Das Märchen von den Lichtermädchen und den Stechpalmenrittern‹
von Bettina Barkhoven

Die Lichtermädchen leben ein zufriedenes und friedvolles Leben. Sie sind sich selbst genug und brauchen niemanden sonst. Und doch wird ihre Welt von außen bedroht, denn die Stechpalmenritter glauben in ihrer Arroganz tatsächlich, dass die Lichtermädchen auf sie angewiesen wären und sie brauchen würden. Dumm wie sie sind, können sie nicht begreifen, dass diese sich selbst genug sind und ohne sie ein erfülltes und glückliches Leben führen. Man kann weder Liebe noch Zuneigung erzwingen, was die Stechpalmenritter aber scheinbar nicht wussten. Jede Form der persönlichen Freiheit ist kostbar und unantastbar und jederzeit der Sklaverei und Fremdbestimmung vorzuziehen. Eigenwillig, dass die Stechpalmenritter tatsächlich dachten, dass die Lichtermädchen die nie etwas von ihnen wollten, auf ihre Hilfe angewiesen wären und ein glücklicheres Leben mit ihnen führen würden. So zu denken ist so erbärmlich arrogant und widerlich, dass ich dafür keine Worte finde. Die Stechpalmenritter konnten einfach nicht verstehen, dass die Lichtermädchen sich selbst genug sind. Sie leben ein wunderbar freies Leben und lieben so, wie sie es wollen. Sie brauchen weder männliche Wesen, noch vermissen sie diese. Nur die Stechpalmenritter dieser Geschichte sind unglücklich und versuchen die Lichtermädchen mit in ihr Unglück zu reißen. Als ob Gewalt jemals etwas Gutes hervorgebracht hätte. Als wenn Zwang jemals zu Glück geführt hätte. Absolut schwachsinnig von den Stechpalmenritter so zu denken. Und schwach waren sie im Gegensatz zu den Lichtermädchen. Denn sie wollten an sich reißen, was ihnen nicht gehört. Die Lichtermädchen dagegen wollten nur Ihr Glück schützen.

Ein wunderbar buntes und liebevolles Märchen, das ganz zauberhaft und fein ausgearbeitet wurde und bei dem ich den sozialkritischen Aspekt geliebt habe. Neben der Verabscheuungswürdigkeit des Krieges, kam auch die Selbstbestimmung, das Recht eines jeden Menschen auf körperliche und geistige Unversehrtheit und die Freiheit der Liebe zur Sprache. Es ist eines meiner liebsten Märchen in diesem Buch.
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›Dornenherz‹
von Serena C. Evans

Mir kam sofort das Märchen ›Schneewittchen‹ in den Sinn, als ich diese Geschichte las. Nur, dass die Prinzessin in dieser Geschichte weitaus naiver ist, als es Schneewittchen jemals war. Ein »dummes, naives Ding«, wie es immer wieder und wieder auf den ersten Seiten der Geschichte, mit immer denselben Worten erwähnt wurde. Für mich war das nervig, denn ich hatte schon beim ersten Mal begriffen, was die Jägerin von der Prinzessin hielt. Und durch diese ständige Wiederholung wurde mir Liliana genauso unsympathisch wie die Jägerin. Zum Ende hin wurde es besser, aber selbst da könnte ich weder die Jägerin noch Liliana leiden. Zudem hat mir bei beiden Protagonistinnen Charakter gefehlt und sie blieben mir einfach zu nichtssagend und blass. Insgesamt war es nicht die richtige Geschichte für mich, auch wenn mir die Grundidee des Märchens ›Schneewittchen‹ gefiel, so war doch die Umsetzung des Themas absolut nicht mein Fall.
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›Die Königstochter und die Drachenzähmerin‹
von Julia Kohlhaussen

Endlich eine Prinzessin mit einem guten Herzen und Mut. Keine weinerliche, nervige Göre, die auf Rettung wartet, sondern eine junge Frau mit Verstand und dem Herzen am rechten Fleck. Ich mochte sie genauso, wie ich die Drachenzähmerin mochte. Und auch wenn die Zukunft der beiden Frauen alles andere als perfekt aussah, so barg sie doch Hoffnung, da Mut belohnt werden sollte. Und Mut hatten sie beide bewiesen. Gerade die Prinzessin dieser Geschichte zeigte sich mutiger, als ich es anfangs für möglich gehalten hatte und so war sie mir, genauso wie Drachenzähmerin, sehr sympathisch.
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›Die Gefallenen‹
von Katherina Ushachov

Der Schreibstil der Autorin war wunderschön und nahm mich sofort gefangen. Ich sah die Szenen wie einen Film vor meinem inneren Auge ablaufen, auch wenn mich die Handlung an sich nicht fesseln konnte. Dafür taten es die Worte mit denen diese beschrieben wurden, umso mehr. Die Leidenschaft, mit der die Erzählerin in einem inneren Monolog ihrer Angebeteten ihr Herz öffnet, war zart und wundervoll. Und dabei doch stark und unumstößlich. Ihre Gedanke waren eine einzige poetische Liebeserklärung an ihre Geliebte und ich habe jedes Wort genossen. Gerade vor dem Hintergrund der Geschichte, wirkte diese Liebe noch kostbarer, als sie es ohnehin ist.
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›Von einer unerwünschten Liebe‹
von Saskia Rönspies

Der Titel ließ mich vermuten, dass es vor allem um Homophobie gehen würde. Und leider tat es das zu einem gewissen Maße auch. Zwar spielt die Geschichte in einem toleranten Utopia, aber leider ist auch dort nicht allen Menschen die Weitsicht gegeben die man besitzen sollte, um andere Menschen nicht aufgrund ihrer Liebe zu verurteilen. Dabei tun die beiden Frauen in dieser Geschichte anfangs nichts, außer sich kennenzulernen und langsam anzunähern. Und trotzdem gibt es Personen, die ihnen nicht einmal dieses kleine Stückchen Glück gönnen. Mir hat das Aufbrechen der klassischen Rollenverteilung sehr gut gefallen. Beispielsweise gab es eine Schmiedin und einen Wäscher. In einem solch toleranten und fortschrittlichen Land ein unbedingtes Muss und dass diese Toleranz so wunderbar nebensächlich in die Geschichte eingeflochten wurde, hat mir ausserordentlich gut gefallen. Genauso wie mir der Mut in dieser Geschichte gefallen hat der wie in jedem Märchen alle Hindernisse überwindet.

Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen und mochte einen Großteil der Geschichten. Die unterschiedlichen Stile der Schreibenden haben dafür Sorge getragen, dass es nie langweilig wurde. Von daher kann ich das Buch sehr empfehlen, denn es enthält eine bunte Mischung unterschiedlichster Frauen, die fast alle auf ihre Weise wunderbar waren. Am schönsten fand ich die Beiträge von Anja Lehradt, Eva Andersson, Nikki Reva, J. Walther, Jan Jürgenson, DasTenna, Jobst Mahrenholz, Katherina Ushachov und Bettina Barkhoven. Wenn euch lesbische Märchen interessieren, ist dieses Buch absolut perfekt.

Erscheinungsdatum: 30. Dezember 2020
Seitenzahl Taschenbuch: 398